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Zwischen Ausgehfreuden und Gewissensbissen

Das Glückskind ist nun fast vier Monate. Zeit, einmal wieder etwas alleine zu machen und aus dem 24/7-Mama-Dasein für kurze Zeit auszubrechen. So war es jedenfalls gedacht, als ich zu Weihnachten zwei Konzertkarten für Maite Kelly bekam. Das Baby würde an dem Abend abgepumpte Milch oder eine Premilch vom Papa bekommen und ich könnte ein paar Stunden außerhalb verbringen. So war der Plan.

Konzertkarten zu Weihnachten.jpg

Bei meinem Magen-Darm-Infekt vor zwei Wochen zeichnete sich allerdings das erste Problem ab: die Flasche wurde nicht mehr akzeptiert. Um keinen Preis. Eine Tatsache, die ich nie für möglich gehalten hatte, denn schließlich gab es bei den anfänglichen Stillproblemen ab und zu eine Zusatzportion, die nicht aus der Brust kam. Das bedeutete für meinen Konzertausflug, das Kind musste mit. Und so sollte es mit Papa spazieren und kurz vorher und direkt nachher im Auto gestillt werden. Ein runder Alternativplan.

Dass der Papa nun auch noch richtig krank wurde, spielt an dieser Stelle nur eine Nebenrolle. Er bestand darauf, dass ich mir endlich auch mal wieder einen schönen Abend machen müsste und er den Spaziergang schon überleben würde.

Wir wollten also pünktlich starten. Ich machte das Glückskind fertig, das schon einmal hungrig und demnach frisch gestillt war. Als ich es in den MaxiCosi setzen wollte, fing es aber wie am Spieß an zu weinen. Nach unterschiedlichen Arten der erfolglosen Beruhigung mussten wir aber losfahren. Da Autofahren normalerweise zu schneller Beruhigug und Schlaf führt, hofften wir auf diesen Effekt. Doch weit gefehlt, auch das half nichts. Und mir kam langsam der Gedanke, was ich doch für eine Rabenmutter bin. Musste ich nun wirklich so dringend rausgehen? Hätte ich mit einer solchen Premiere nicht einfach noch warten können? Oder braucht man nach fast vier Monaten auch mal wieder einen Abend nur für sich? Machten das andere nicht schon viel früher? Aber warum musste mein Kind unter meinen Ansprüchen so leiden? Mir blutete das Herz, wir fuhren rechts ran und ich stillte sie erneut. Völlig erschöpft schlief sie in meinem Arm ein und es konnte weitergehen. Ein Schatten auf meiner Seele blieb allerdings, der auch nicht verschwand, als das Baby vor Ort fröhlich wach wurde, als es in der den Kinderwagen gelegt wurde. Versteht mich nicht falsch, ich vertraue dem Papa 100% und er erreicht unser Glück auch ganz wunderbar. Und trotzdem konnte ich mich nicht frei von der Angst machen, dass es dem Baby nicht gut gehen könnte oder ich bei Hunger nicht schnell genug zur Stelle wäre. Um die Geschichte abzukürzen: Die beiden liefen wunderbar gemeinsam durch die Nacht, waren nie länger als gute 10 Minuten von mir entfernt und das Baby schlief tief und fest. Erst beim Einsteigen ins Auto wurde es wach, trank in aller Seelenruhe und schlief dann wieder weiter.

Das Baby unterwegs

Was bleibt ist ein schöner Abend, bei dem ich aber ständig nach dem Vibrationsalarm meines Handys fühlte und in Gedanken bei meiner Tochter war. Es bleibt die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für solche Ausflüge ist. Es bleibt das Gefühl, so etwas erstmal nicht wiederholen zu wollen, weil es mir im Herzen weh tut und ich die jeweilige Veranstaltung vermutlich gar nicht voll genießen kann. Und gleichzeitig ist da eine Sehnsucht, mal rauszukommen, mal ganz kurz nicht die Verantwortung zu tragen, nicht gemeinsam um 20 Uhr ins Bett zu gehen und eben auch mal wieder etwas für mich zu tun. Wo liegt die Grenze zwischen guter Mutter und Selbstaufgabe? Und noch einmal in eine andere Richtung gedacht: Wie wichtig sind die Rituale und wie schlimm ist ein Abweichen von ihnen? Was hat das Glückskind so sehr aus der Bahn gebracht, dass es derart erregt und nicht zu beruhigen war? Fragen über Fragen, die ich mir noch nicht vollständig beantworten konnte. Doch heute, zwei Tag später, weiß ich bereits eines: Wir werden einen Weg finden. Unseren Weg.


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6 Kommentare zu „Zwischen Ausgehfreuden und Gewissensbissen

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